Die Schule des Glaubens | Matthäus 15, 21 - 28
- 27.09.2026 -
(27. September 2026, Elliot Ramos, Ev. Kirchengemeinde Steinen)
16. Sonntag nach Trinitatis
Was lässt Glauben wachsen, wenn Gott zunächst zu schweigen scheint? Im Gottesdienst mit Taufe und Vorstellung der neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden führt die Predigt über die kanaanäische Frau in die „Schule des Glaubens“.
Weitere Predigten und Livestreams:
Zum YouTube-Kanal Ev. Kirchengemeinde Steinen
Zum YouTube-Kanal Ev. Kirchengemeinde Steinen
Die Predigt von Elliot Ramos zu Matthäus 15,21–28 erzählt von einer kanaanäischen Frau, die Jesus um Hilfe für ihre Tochter bittet und auch dann an ihm festhält, als er zunächst nicht antwortet.
Was lässt sich von ihr über Glauben und Gebet lernen? Die Predigt beschreibt vier Wege: Gottes Wort kennenlernen, die Not anderer in der Fürbitte vor ihn bringen, geduldig und beharrlich bleiben und seine Gaben dankbar empfangen. Auf dieser Seite können Sie den gesamten Gottesdienst und den Predigtausschnitt ansehen sowie die Predigt nachlesen.
Predigt zu: „Die Schule des Glaubens“ - Matthäus 15, 21 - 28
Weitere Predigten und Livestreams:
Zum YouTube-Kanal Ev. Kirchengemeinde Steinen
Zum YouTube-Kanal Ev. Kirchengemeinde Steinen
Der heutige Predigttext steht im Matthäusevangelium, Kapitel 15, Verse 21 bis 28.
21 Und Jesus ging weg von dort und entwich in die Gegend von Tyrus und Sidon.
22 Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach, Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt.
23 Er aber antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach.
24 Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.
25 Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir!
26 Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.
27 Sie sprach: Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.
28 Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.
Lasst uns beten:
Herr, lass die Worte meines Mundes und die Gedanken meines Herzens vor dir bestehen. Du bist mein Fels und mein Erlöser. Amen.
„Frau, dein Glaube ist groß.“
Das sind große Worte von Jesus. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich wünsche mir einen solchen Glauben: einen Glauben, der trägt und wirksam ist; einen Glauben, mit dem ich beten und Jesus vertrauen kann.
Oft fühle ich mich eher wie Petrus im Kapitel davor, den Jesus einen Kleingläubigen nennt. Warum zweifeln wir? Warum erscheint unser Glaube manchmal so klein? Vielleicht, weil uns die gegenwärtigen Situationen überfordern. Vielleicht, weil wir unserer eigenen Kraft, unseren Fähigkeiten und unserem Wissen mehr vertrauen als Gott. Vielleicht lassen wir uns auch von den Stimmen um uns herum so stark bestimmen, dass wir Gott kaum Raum in unserem Leben geben.
Wenn wir im Glauben wachsen möchten, müssen wir ehrlich mit uns selbst werden. Die kanaanäische Frau zeigt uns eine Haltung, von der wir lernen können. Sie kommt zu Jesus, beugt sich vor ihm und bittet ihn um Hilfe.
Was ist das für ein Glaube, den Jesus groß nennt? Er ist mehr als die Überzeugung, dass Gott ein bestimmtes Ergebnis herbeiführen kann. Die Frau vertraut Jesus nicht nur das Ergebnis ihrer Bitte an. Sie vertraut sich selbst ihm an. Sie hält an ihm fest, obwohl die Antwort ausbleibt, obwohl sie ihn nicht versteht und obwohl die Umstände gegen sie zu sprechen scheinen.
Ihr Glaube gründet sich nicht allein auf Gottes Macht, sondern auf sein Wesen, seine Güte und seine Barmherzigkeit. Darum möchte ich mit euch bei dieser Frau in die Schule des Glaubens und des Gebets gehen.
Wer ist die Frau, die zu Jesus kommt?
Matthäus nennt sie eine Kanaanäerin. Sie stammt aus der Gegend von Tyrus und Sidon und gehört nicht zum Volk Israel. Das ist für die Erzählung wichtig. Bereits im Alten Testament begegnen uns Menschen aus dieser Gegend, die mit der Geschichte Israels verbunden sind: die Witwe aus der Gegend von Sidon, die Elia versorgte, und Hiram, der König von Tyrus, der David und später Salomo unterstützte.
Zugleich erinnert die Bezeichnung „Kanaanäerin“ an die lange und konfliktreiche Geschichte zwischen Israel und den Völkern Kanaans. Ausgerechnet diese Frau tritt nun vor Jesus. Sie nennt ihn Herr und Sohn Davids. Sie bittet ihn um Erbarmen.
Die Begegnung fordert unsere Erwartungen heraus. Die Frau steht außerhalb der Grenzen, die andere für selbstverständlich halten mögen. Doch Jesus spricht am Ende von ihrem großen Glauben. Was können wir von ihr lernen?
Erste Lektion: Gott durch die Schrift kennenlernen
Die Frau ruft Jesus als Herrn und Sohn Davids an und bittet ihn um Erbarmen. Ihre Bitte erinnert an die Sprache der Psalmen. Sie bringt ihre Not nicht nur irgendwie zum Ausdruck; sie findet Worte, die auch im Gebet Israels ihren Platz haben. Mit der Anrede „Sohn Davids“ verbindet sie Jesus mit der Hoffnung auf den verheißenen König.
Darin liegt für mich die erste Lektion: Macht euch mit der Heiligen Schrift vertraut. Lernt die Psalmen kennen. Ihre Worte können uns helfen zu beten, gerade wenn uns selbst die Worte fehlen. Durch die Schrift lernen wir mehr darüber, wer Gott ist. Wir können unsere Bitten vor ihn bringen und darauf hoffen, dass er sich unser nach seinem guten Willen erbarmt.
Jesus hat uns gelehrt, Gott als unseren Vater anzusprechen. Wir dürfen freimütig zu ihm kommen, nicht weil wir einen Anspruch auf eine bestimmte Antwort hätten, sondern weil wir auf seine Barmherzigkeit vertrauen.
Zweite Lektion: Liebe wird zur Fürbitte
Warum kommt die Frau überhaupt zu Jesus? Weil ihre Tochter leidet. Bemerkenswert ist, wie sie bittet: Sie ruft nicht nur für ihre Tochter um Hilfe, sondern sagt:
„Erbarme dich meiner.“
Das Leid ihrer Tochter ist auch ihr eigenes Leid geworden. Was die Tochter bedrängt, lässt die Mutter nicht gleichgültig.
So wird Liebe zur Fürbitte. Die Frau übernimmt Verantwortung und tritt vor Jesus für jemanden ein, der selbst nicht zu ihm kommen kann. Sie bringt nicht allein ihre eigene Not vor ihn, sondern auch die Not eines anderen Menschen.
Das ist die zweite Lektion in der Schule des Glaubens. Glaube bedeutet nicht nur, mit meinen eigenen Anliegen zu Jesus zu kommen. Er bedeutet auch, das Leid anderer wahrzunehmen und für sie zu beten. Die Liebe fragt nicht nur: Was brauche ich? Sie fragt auch: Wer braucht meine Fürbitte?
Beginnt bei den Menschen, die euch anvertraut sind: in euren Familien, unter Freunden und in eurer Gemeinde. Betet füreinander und für diejenigen, denen selbst die Kraft oder die Worte zum Beten fehlen. Betet auch für die Kirche: für ihre Einheit, für geistliche Erneuerung und dafür, dass Menschen Jesus Christus kennenlernen.
Mündiger Glaube bleibt nicht bei sich selbst stehen. Er lässt sich von der Not anderer bewegen und bringt sie vor Gott.
Dritte Lektion: Beharrlich bleiben
Nun kommen wir zu einem schwierigen Teil des Textes. Die Frau bittet Jesus um Hilfe, doch er antwortet ihr zunächst nicht. Warum geschieht das?
Im Matthäusevangelium wird zuvor erzählt, dass Jesu Wirken zunächst besonders dem Volk Israel gilt. Später steht dort der Auftrag, die Botschaft zu allen Völkern zu bringen. Die Begegnung mit der kanaanäischen Frau steht in diesem Zusammenhang. Aber für die Frau selbst ist das Schweigen Jesu keine theoretische Frage. Sie braucht Hilfe für ihre Tochter.
Sie lässt sich nicht entmutigen. Sie ruft weiter, kommt näher und fällt vor Jesus nieder. Auch seine schwer verständliche Antwort bringt sie nicht davon ab, an ihm festzuhalten.
Darin liegt die dritte Lektion: Glaube bedeutet auch, warten zu können. Er gibt nicht sofort auf, wenn Gott zu schweigen scheint. Er hält an Jesus fest, auch wenn eine Antwort anders ausfällt, als wir erwartet haben. Wir sehen nur einen Ausschnitt unseres Weges. Darum dürfen wir Gott unsere Anliegen immer wieder bringen, auch wenn wir noch nicht verstehen, was geschieht.
Das ist kein leichtes Warten. Es bedeutet nicht, die eigene Not kleinzureden. Die Frau tut genau das Gegenteil: Sie spricht ihre Not aus und bleibt damit vor Jesus. Sie bittet beharrlich.
Glaube besteht nicht nur darin, Gottes Gaben zu empfangen. Glaube besteht darin, an Gott selbst festzuhalten. Und wenn wir seine Hilfe erfahren, dürfen wir ihm danken und ihn ehren.
Die Antwort der Frau auf Jesu Bild vom Brot zeigt dieses Vertrauen besonders deutlich. Sie beansprucht nichts für sich. Aber sie vertraut darauf, dass selbst das, was vom Tisch fällt, ausreicht. Sie hält an Jesu Barmherzigkeit fest.
Vierte Lektion: Gottes Gaben reichen aus
Damit kommen wir zur letzten Lektion. Die Frau spricht von den Brosamen, die vom Tisch fallen. Was klein und unscheinbar wirkt, ist für sie nicht wertlos. Sie vertraut darauf, dass Jesu Gabe ausreicht.
Auch wir begegnen Menschen, die nach Gott hungern und sich nach Hoffnung sehnen. Manchmal können wir ihnen nur etwas Kleines weitergeben: ein Wort der Ermutigung, eine Begegnung, ein Gebet. Doch wir sollten nicht geringschätzen, was klein erscheint.
Lasst uns Gottes Gaben dankbar empfangen und sie nicht für uns behalten. Seine Barmherzigkeit ist nicht zu knapp bemessen. Seine Gnade reicht für die Menschen, die zu ihm kommen.
Die kanaanäische Frau lehrt uns, Gott durch sein Wort kennenzulernen, aus Liebe für andere einzutreten, im Gebet beharrlich zu bleiben und seine Gaben dankbar anzunehmen. Vor allem aber zeigt sie uns einen Glauben, der an Jesus selbst festhält.
Amen.